Seine Musik in toller Qualität zuhause zu hören, das ist in jedem Fall ein schönes, ja fast schon ein sinnliches Erlebnis. Sinnlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir hören ja mit unserem Hör-Sinn. Doch es hört dabei auch das Auge mit: man sieht, über welche Anlage bzw. Komponente die Musik erklingt. Und wie beim Essen kann dies einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben. Oder jemand sagt uns, wie unglaublich gut eine Komponente ist. Unser Hören wird somit auch noch von anderen Faktoren beeinflusst.
Ein Experiment verdeutlicht dies: so haben in einer Studie Probanden exakt denselben Wein als besser befunden, nur weil dieser als der teurere deklariert wurde. Man nimmt also automatisch an, dass der teurere und damit exquisitere Wein auch der bessere sein muss – man ist beeinflusst und der Geschmacks-Sinn ist ausgetrickst. Mit unserem Hör-Sinn läuft es ganz ähnlich.
Ähnliche Studien gibt es im HiFi-Bereich meines Wissens leider nicht. Die Audiowiedergabe basiert zwar grundsätzlich auf naturwissenschaftlichen Gesetzen, genauer der Elektrotechnik und der (physikalischen) Akustik. Sie sollte daher eigentlich keinen Raum für Nicht-Faktenbasiertes lassen. Aber unser Höreindruck wird nunmal auch von anderen Faktoren beeinflusst, welche wiederum viel Raum für teils esoterischen Blödsinn lassen. Ein einfaches Mittel würde dieses Problem zu einem grossen Teil entschärfen: Blind-Tests. Doch im HiFi-Bereich bzw. unter den „Audiophilen“ sind solche Blind-Tests leider sehr selten bis gar verpönt. Warum? Weil für die sachliche Wahrheit oftmals gar kein Interesse besteht. Denn dann wäre das Hobby HiFi nur noch halb so interessant und vieles nicht mehr möglich, was im HiFi-Bereich teils haarsträubendes abläuft. Hier ein paar Beispiele:
Preis:
Diese Korrelation kann im günstigen Preissegment stimmen, ab einem bestimmten Preislevel jedoch nicht mehr. Ein Verstärker für 10’000.- muss daher nicht immer besser wie ein Modell für 2’000.- klingen. Natürlich erhält der Käufer meist mehr für den Mehrpreis (z.B. Schaltungskomplexität, Anfassqualität), aber wirklich auch immer mehr Klang?
Kabel:
Ein ganz spezielles und heikles Thema, und auch unter Audiophilen teils umstritten. Hören sich versch. Kabel wirklich unterschiedlich an, bringt ein unterarm-dickes Stromkabel tatsächlich besseren Klang? Natürlich hat jedes Kabel kleinste messbare Unterschiede, aber diese sind nicht Klangrelevant. Und auch der Preis hat hier eine beeinflussende Rolle…
Stecker:
Haben unterschiedliche Cinch-Stecker/-Buchsen tatsächlich unterschiedliche Klangqualität (Kontaktprobleme natürlich ausgeschlossen)?
Unterlagen:
Klingt z.B. ein Verstärker auf einer speziellen HiFi-Unterlage für 1000.- wirklich besser? Was bei einem Plattenspieler vielleicht noch ansatzweise gilt (hier laufen wirklich noch mechanische Vorgänge ab) muss nicht auch für die sonstigen Komponenten gelten.
Sicherungen:
Der Tausch einer Sicherung (im Netzteil) des HiFi-Geräts durch eine spezielle HiFi-Sicherung soll tatsächlich den Klang beeinflussen, obschon dieses Teil nicht im klangrelevanten Signalweg sitzt?
Der magische Kristal:
Das lächerlichste habe ich live an einer HiFi-Messe beobachten dürfen. Nach dem Abspielen einer CD wurde diese aus dem (sündhaft teuren) Player genommen und ein Kristal kurz über der CD in kreisenden Bewegungen gehalten. Danach wurde die CD nochmals abgespielt und nun hörte es sich alles viel klarer und wunderbarer an… einen klanglichen unterschied habe ich nicht wahrgenommen. Das Publikum hat aber beeindruckt gewirkt!
Fazit:
Man wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, vom Preis, von Aussagen anderer, vom Aussehen der Komponenten usw. Wem oder was soll man nun glauben? Wer das Geld ausgeben will, darf alles glauben. (Gut-)Gläubige sind willkommen, dann ist der Hersteller, der Händler und auch der Käufer selber glücklich (man hat ja was besser Klingendes). Wer aber ein begrenztes Budget hat oder einfach nur in ausgezeichneter Qualität HiFi Sound zuhause geniessen will, sollte skeptisch sein. Aber Achtung, gewisse Händler/Audiophile reagieren auf diesen Un-Glauben sehr unfreundlich.
Eines ist auf jeden Fall immer dasselbe: wenns besser klingen soll, muss Geld ausgegeben werden. Dieser Umstand sollte mindestens etwas nachdenklich machen…